PRO und CONTRA Wind­kraft – unsere Diskus­sion hat zur Aufklä­rung beigetragen!

Ein voll­be­setztes Bosco – trotz bestem Bier­gar­ten­wetter und Fußball EM. Dr. Andreas Albath, 1.Vorsitzender von Zukunft­Gauting freute sich, dass es offenbar den Nerv vieler Gautinger getroffen hatte, die Vertreter von PRO und CONTRA an einen Tisch zu holen und Landrat Stefan Frey zu bitten, Verfahren und Rahmen­be­din­gungen für die Wind­räder zu erläu­tern. Drei Stunden wurde intensiv disku­tiert. Respekt­voll, auch wenn die Posi­tionen inhalt­lich ausein­ander lagen. Kurze und konzen­trierte State­ments und dafür viele – ganz über­wie­gend sach­liche – Fragen und Perspek­tiven aus dem Publikum. Aber auch viel Emotion und stür­mi­scher Beifall und Protest in beide Rich­tungen. Unsere Zusam­men­fas­sung:

Blick ins Bosco

Stefan Frey


Stefan Frey
verdeut­lichte in seinem Eingangs­state­ment, dass der Land­kreis auf dem Weg zum Ziel „Klima­neu­tra­lität 2035“ noch einiges vor sich hat. 2023 betrug der Anteil aus erneu­er­baren Ener­gien erst 21,8 % (2020: 15,2 %), in Deutsch­land insge­samt hingegen 51,8 %. Das Wachstum wird vor allem durch die Frei­flä­chen-PV getrieben, wo laut Frey noch erheb­li­ches Poten­tial steckt. Aber bei Reali­sie­rung der geplanten Projekte auch aus der Wind­kraft.

Warum war eigent­lich der Landrat auf dem Podium und nicht Gautings Bürger­meis­terin? Stefan Frey klärte auf, dass die Gemeinde den wesent­li­chen Teil ihrer Mitwir­kung 2012 bei der Fest­le­gung der Konzen­tra­ti­ons­flä­chen im Teil­flä­chen­nut­zungs­plan geleistet hat. „Damit hat die Gemeinde früh­zeitig ihre planungs­recht­li­chen Entschei­dungen in Abstim­mung mit den anderen Kommunen und dem Land­kreis getroffen. Und damit geklärt, wo Wind­kraft möglich ist und wo sie ausge­schlossen wird“. Bei der jetzt anste­henden immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Geneh­mi­gung, die alle notwen­digen Geneh­mi­gungen bündelt, ist der Land­kreis zuständig und die Bürger­wind Gauting GmbH der Antrag­steller. Die Gemeinde spielt hierbei keine aktive Rolle mehr. Bürger­meis­terin Dr. Brigitte Kössinger hat ihre Teil­nahme an einer Diskus­si­ons­ver­an­stal­tung am 3.Juli 24 zuge­sagt (siehe unten).

Kristina Willkomm

Kris­tina Will­komm, Vertre­terin der Bürger­wind Gauting GmbH stellte eingangs klar, dass das Inge­nieur­büro Sing das allei­nige Risiko und Verant­wor­tung für die Vorbe­rei­tung des Antrages, die Fein­pla­nung der Stand­orte inklu­sive Abklä­rung der Zuwege usw., die Erstel­lung aller Gutachten und Messungen für die Geneh­mi­gung trägt und für alle Kosten gera­de­steht. Und das damit verbun­dene Risiko trage. So werde aktuell mit der Flug­si­che­rung eine Lösung gesucht, um deren Bedenken auszu­räumen, was typi­scher­weise bei jedem dieser Projekte als Thema auftauche. Sollte die Aufstel­lung am Ende geneh­migt werden haben sich die Initia­toren verpflichtet, 80 % der Anteile an inter­es­sierte Gautinger Bürger und der Gemeinde anzu­bieten. Frau Will­komm verwies darauf, dass die Refe­renz­pro­jekte nach glei­chem Vorbild in Berg und Fuchstal weit bessere Ergeb­nisse als geplant gelie­fert haben. Die Gemeinde Gauting habe – auch ohne eine direkte Betei­li­gung – durch Gewer­be­steu­er­ein­nahmen und durch die Verpflich­tung zur Zahlung einer Kommu­nal­ab­gabe etwa Einnahmen von durch­schnitt­lich zwischen 300- 350.000 € pro Jahr zu erwarten in dem Bürger­wind-Modell. Dies sei der wesent­liche Unter­schied zu einer Reali­sie­rung durch große Ener­gie­un­ter­nehmen, von denen die Stand­ort­ge­meinde und Bürger nicht profi­tieren würden.

Anette Bäuerle und Hieronymus Fischer

Eine völlig gegen­tei­lige Posi­tion nahmen Anette Bäuerle und Hiero­nymus Fischer von der Bürger­initia­tive Umwelt-Energie-Gauting ein. Ihr zentrales Argu­ment: Wind­kraft in unserer Region ist „am untersten Rand“ des Sinn­vollen, in der Schule würde man dafür allen­falls eine „4“ bekommen, eine gute Lösung sei das aber unter keinen Umständen. Abhängig vom Börsen­strom­preis und dem konkreten Strom­ertrag werde jedes Windrad mit 300–600.000 €/Jahr subven­tio­niert. Über 20 Jahre Betriebs­dauer belaufe sich das auf 60–120 Mio € an Subven­tio­nie­rung. Dagegen sei der finan­zi­elle Ertrag für die Gemeinde minimal. Und der Landrat irre – der Land­kreis werde weder 2035 noch später mit dem heute verfolgten Konzept ener­ge­ti­sche Autarkie erlangen können. Es sei bezeich­nend, dass die Flug­si­cher­heits­be­hörden für sechs Anlagen bereits deren Unzu­läs­sig­keit mitge­teilt habe.

Mode­rator Tammo Körner, Vorstand von Zukunft­Gauting, bat die Prot­ago­nisten zur Diskus­sion unter­ein­ander und mit dem Publikum auf die Bühne. In sechs Themen­blö­cken wurden die verschie­densten Aspekte durch­leuchtet.

Podium

 

An der See bläst einfach mehr Wind – macht Wind­kraft in Ober­bayern wirk­lich Sinn?

Will­komm machte hier enga­giert klar, dass dies für sie keine Frage ist. „Die Entwick­lung ist rasend schnell, vor ein paar Jahren kostete eine kWh aus Wind­kraft noch 50 ct, jetzt ist sie bereits zusammen mit PV die güns­tigste Ener­gie­form mit weit unter 10 ct“. Sie unter­strich die Bedeu­tung eines Mixes in der regio­nalen Ener­gie­ver­sor­gung. Allein auf die noch nicht gebauten und kosten­in­ten­siven Strom­lei­tungen zu vertrauen sei fahr­lässig.

Fischer und Bäuerle hielten ener­gisch dagegen. „Es mag ja sein, dass sich die Anlagen in Berg für die Inves­toren lohnen, aber wer bezahlt eigent­lich die Rech­nung?“ Ihre Kritik zielte auf die Subven­tio­nie­rung der Wind­räder, die in Ober­bayern beson­ders hoch ausfalle und ohne die niemand auf die Idee käme sie zu bauen. „Aber das muss jeder einzelne Bürger über seine Strom­rech­nung bezahlen, Stich­wort EEG-Umlage“. Dem hielt Will­komm entgegen, dass ja auch andere Ener­gie­formen geför­dert wurden und werden und die Wirt­schaft­lich­keits­rech­nung der Kern­kraft die Kosten der bis heute unge­lösten Endla­ger­frage oft einfach ausblende. Aus dem Publikum wurde den Wind­kraft­geg­nern vorge­worfen, sie argu­men­tierten nach dem „St-Florians-Prinzip“. Dies wollte Fischer nicht gelten lassen. „Ich habe nichts prin­zi­piell gegen Wind­kraft, wo sie Sinn macht. Aber hier in Ober­bayern wider­spreche sie allen Über­le­gungen der ‚kriti­schen Vernunft‘“. Dafür die Verschan­de­lung des Land­schafts­bildes hinzu­nehmen sei die schlech­teste Option.

Anette Bäuerle formu­lierte poin­tiert: „In meiner ostwest­fä­li­schen Heimat sehe ich wie die Land­schaft durch diese Indus­trie­an­lagen verschan­delt wird. Käme das hier auch so, würde ich lieber wegziehen als das jeden Tag anzu­sehen“.

Wie stehts um die ehrliche CO2-Bilanz von Wind­rä­dern über den gesamten Lebens­zy­klus?

Will­komm kriti­sierte die Frage, weil sie etwas sugge­riere, was eindeutig nicht der Fall sei. „Natür­lich ist ein Windrad nicht völlig klima­neu­tral. Bei der Herstel­lung, in der Bauphase und beim Trans­port entstehen CO2 Belas­tungen, das stimmt natür­lich“. Aber sie verwies auf die Propor­tionen: 1kWh Wind­strom ist mit 9 g CO2 belastet. Aus Braun­kohle seien es dagegen 1000 g. 1 ha Wald spei­chere 12 to CO2, 1 Windrad spare 10.000 to CO2 ein. „In einem halben Jahr Betriebs­dauer hat ein Windrad seine gesamte CO2 Belas­tung einge­spielt, bei mindes­tens 20 Jahren Betriebs­dauer“.

Dies wollten die Gegner nicht stehen lassen, ohne anzu­zwei­feln, dass ein Windrad tatsäch­lich nur 9 g CO2 verur­sache. „Aber der Vergleich mit der Braun­kohle ist schief. Würde man zum Beispiel stärker auf Kohle­kraft­werke in Verbin­dung mit CO2 Spei­che­rung im Boden – CCS – setzen, wäre die Bilanz ganz anders“ argu­men­tierte Fischer. Und Bäuerle entgeg­nete, dass völlig unab­hängig von der grund­sätz­li­chen Haltung zur Kern­energie die Abschal­tung von Isar 2 – einem voll betriebs­fä­higen Kern­kraft­werk, dass über­haupt kein CO2 ausstoße – nur durch 1.000 zusätz­liche Wind­räder ausge­gli­chen werden könne.

Gauting hat etwa 3.000 ha Wald in seinem Gemein­de­ge­biet — Wieviel Wald geht durch die Wind­räder verloren?

Will­komm erläu­terte, dass die dauer­haft belegte Fläche pro Windrad 0,3 ha betrage (zum Vergleich: ein Fußball­feld hat 0,7 ha) und während der Bauphase noch zusätz­lich 0,5 ha benö­tigt würden. Insge­samt würden also durch die 10 Wind­räder ledig­lich 1/1000 der Gautinger Wald­fläche in Anspruch genommen. Und selbst­ver­ständ­lich gelte eine Verpflich­tung zur Wieder­auf­fors­tung der wegfal­lenden Flächen an anderer Stelle. Natür­lich dauere es, bis diese Neuan­pflan­zungen die gleiche CO2 Spei­cher­wir­kung wie bestehende Bäume aufweise. Ander­seits sei zu berück­sich­tigen, dass der domi­nie­rende Fich­ten­mo­n­obe­stand durch klima­re­sis­ten­teren Misch­wald ersetzt werde. Auf eine entspre­chende Frage aus dem Publikum bestä­tigte sie, dass man sich primär bemühe Wind­räder auf solchen Fich­ten­flä­chen zu errichten.

„Wälder sollen nicht Strom erzeugen, sie haben doch eine ganz andere Funk­tion im Ökosystem“ konterte Fischer enga­giert und erntete bei einem Teil des Publi­kums donnernden Beifall dafür. Aber genauso viel Zustim­mung erhielt Will­komm für ihre Aussage „Es sind nicht die Wind­räder, die den Wald schä­digen, der Klima­wandel macht ihn kaputt“.

Der Gautinger Gemein­derat Jens Rinder­mann (Grüne) machte die Gegner darauf aufmerksam, dass ausge­rechnet die Buchen­dorfer Wald­rechtler als Eigen­tümer der Flächen sich für den Bau der Wind­räder ausge­spro­chen haben. Sie sehen die Pacht­ein­nahmen als wich­tiges Element für den teuren Umbau ihres Wirt­schafts­waldes aufgrund der Folgen des Klima­wan­dels. Dies wollte Bäuerle nicht gelten lassen. „Natür­lich profi­tieren einzelne von den Subven­tionen, aber alle anderen leiden. Wer will da zukünftig noch spazieren gehen?“

Hier schal­tete sich Frey in die Diskus­sion mit dem Hinweis ein, dass der größte Teil des Stromes  in unserer Region von den orts­an­säs­sigen Unter­nehmen benö­tigt werde. Er bitte bei allem Ringen um einzelne Aspekte dies nicht aus dem Blick zu verlieren. „In besie­delten Gebieten kann man keine Wind­räder bauen und es sei am Ende nur ein verschwin­dend kleiner Teil des Fors­ten­rieder Parks betroffen, dies solle man sich klar machen“.

Wie stehts um den Arten­schutz im Wald?

Will­komm erläu­terte zunächst, dass hier „kein Frei­brief“ exis­tiere, sondern im Geneh­mi­gungs­ver­fahren sehr genau geprüft werde, ob und welche Auflagen zu beachten sind, um den Schutz der Tiere zu gewähr­leisten. Im Fokus stünden dabei insbe­son­dere die Groß­vögel wie Wespen­bus­sard und Rotmilan.

„Aber wenige wissen, dass die Vögel von vorn­herein im Wald­ge­biet weniger gefährdet sind als auf freiem Feld. Denn im Wald fliegen sie in großer Höhe, während sie auf Lich­tungen  eher in Gefahr kommen, weil sie auf der Suche nach Nahrung viel nied­riger fliegen.“ In Fuchstal wurde eine Video­über­wa­chung instal­liert, bislang sei kein einziger Vogel getötet worden. Und bei „Fleder­maus­wetter“ (warme Nächte mit geringem Wind) müssen die Wind­an­lagen regel­mäßig ange­halten werden. Natür­lich gebe es – wie prak­tisch bei jedem Bauvor­haben – ein Span­nungs­ver­hältnis zum Natur­schutz, der aber durch strenge Auflagen im Einzel­fall abge­mil­dert werde.

Bäuerle wollte dies nicht akzep­tieren. Es gebe zahl­reiche Studien, die die massiven Schäden für die Insek­ten­po­pu­la­tion belegen. „Wir haben eine gute Tradi­tion, den Wald und seine Tiere zu schützen, da ist kein Platz für riesige Indus­trie­an­lagen“. Und es sei doch bezeich­nend, dass der Regio­nale Planungs­ver­band gerade wegen des Arten­schutzes den Wald bei Buchen­dorf für Wind­kraft ausschließen wolle.

Hierzu erläu­terte Frey, dass der Planungs­ver­band Gebiete wie in Gauting, in denen Konzen­tra­ti­ons­flä­chen rechts­kräftig für Wind­kraft vorge­sehen seien, respek­tieren werde. Der Planungs­ver­band sei in einem frühen Stadium der über­re­gio­nalen Wind­kraft­pla­nung und werde darauf achten, eine wider­spruchs­freie und konsis­tente Planung und Begrün­dung zu erstellen. Es sei unlo­gisch im einheit­li­chen Wald­ge­biet Fors­ten­rieder Park auf der einen Seite ein Vorrang­ge­biet auszu­weisen und auf Gautinger Gebiet das Gegen­teil anzu­nehmen. Dazu werde es nicht kommen.

Bäuerle entgeg­nete, dass aus ihrer Sicht auch die Wind­kraft­an­lagen im Fors­ten­rieder Park außer­halb von Gauting verhin­dert werden müssten. Sie speku­lierte, dass angeb­lich ein Seeadler über Buchen­dorf gesichtet worden sei. „Wenn sich das bestä­tigt, hat sich das Thema Wind­kraft dort ohnehin erle­digt.“

Publikum mit Fragesteller

Wie lange werden die Wind­räder stehen, wie sieht es mit dem Recy­cling aus?

Will­komm antwortet knapp und präzise: „Mindes­tens 20 Jahre so lange die EEG-Vergü­tung garan­tiert ist und bis zu 30 Jahre, da die Anlagen so lange noch wirt­schaft­lich betrieben werden können. Entscheiden werden das am Ende die Gesell­schafter“. Ein beson­derer Vorteil der Wind­kraft im Unter­schied zu anderen Ener­gie­formen sei es, dass bereits bei der Geneh­mi­gung durch entspre­chende Bank­bürg­schaften die voll­stän­dige Finan­zie­rung des kompletten Rück­baus nach­ge­wiesen werden müsse. Heute werden laut Will­komm 90 % der Mate­ria­lien recy­celt. Im Bereich der Flügel, in denen das heute aufgrund des Mate­ri­al­mixes noch nicht der Fall sei, werde intensiv geforscht. Sie zeigte sich über­zeugt, dass es in 20–30 Jahren auch hierfür eine Lösung gebe.

Fischer war in diesem Punkt sehr skep­tisch, hierfür gäbe es keinerlei belast­bare Belege. Er zitierte aus anderen Projekten, in denen die Betreiber explizit bestä­tigt habe, dass hierfür noch keine Lösungen exis­tierten.

Was machen die Wind­räder mit dem Land­schafts­bild, wie steht es um Schat­ten­wurf und Geräuschim­mis­sionen?

Hier wurde es noch einmal sehr emotional. Ein Buchen­dorfer Bürger wandte sich direkt an den Landrat. „Wenn ich auf der Kelten­schanze stehe und den Blick im Rund schweifen lasse, werde ich nur noch Wind­räder sehen.“ Frey redete nicht drum­herum sondern bestä­tigte, dass das Land­schafts­bild wie bei Berg beein­flusst werde. „Den einen stört das masssiv, dem anderen ist das egal und viele gewöhnen sich daran“.  Er wolle diesen Aspekt nicht in Abrede stellen, aber es müsse immer wieder einen Inter­es­sen­aus­gleich wider­strei­tender Inter­essen geben. „Die Sicher­heit unserer regio­nalen Ener­gie­ver­sor­gung ist dabei schon ein über­ra­gender Gesichts­punkt“.

Will­komm erläu­terte, dass es klare gesetz­liche Vorgaben für diese Fragen gebe, die bei den Gautinger Wind­rä­dern problemlos einge­halten werden können. Nach den strengsten Vorgaben müssten für reine Wohn­ge­biete der Abstand mindes­tens 1000 m sein. Im Hinblick auf den sog. Schat­ten­wurf werde durch tech­ni­sche Lösungen sicher­ge­stellt, dass die strengen Höchst­grenzen einge­halten werden. Zum Phänomen „Infra­schall“, dem sog. nicht hörbaren tiefen Schall (wie bei Kühl­schränken, Autos, am Meer) sei wissen­schaft­lich erwiesen, dass sich dieses Phänomen ab 200 m Entfer­nung nicht mehr nach­weisen lasse.

Fischer stimmte Will­komm zu, dass der Schat­ten­wurf kein Problem sei, aber war beim Thema „Infra­schall“ deut­lich skep­ti­scher. Es gebe keine aner­kannten tech­ni­schen Stan­dards zur Messung, Erkennt­nisse aus Frank­reich belegten, dass dies sehr wohl ein Problem darstelle.

Frey sagte, dass er kein Experte für diese Fragen sei. Aber es sei doch lebens­fremd anzu­nehmen, dass ausge­rechnet von Wind­rä­dern in diesem Feld wirk­liche Gefahren ausgehe. Das könnte man dann von Handys oder Autos genauso annehmen, die für jeder­mann selbst­ver­ständ­li­cher Teil des Alltags sei.

Erfreu­lich – am Ende meldeten sich aus dem Publikum noch zwei 18jährige zur Diskus­sion. Sie fragten, wo denn eigent­lich die Alter­na­tive sei, wenn man die Wind­kraft ablehne. Sie wünschten sich, dass die Heraus­for­de­rungen des Klima­wan­dels gerade von der älteren Gene­ra­tion ernst genommen würden.

Bäuerle erwi­derte, dass eine falsche und teure Ener­gie­po­litik dem Klima nicht nütze und zugleich der ener­gie­in­ten­siven Indus­trie erheb­lich schade. Fischer appel­lierte abschlie­ßend, mit „kriti­scher Vernunft“ an diese Fragen  heran­zu­gehen.

Unser Fazit:

  1. Es gibt unver­än­dert viel Unwis­sen­heit über die Fragen der Zuläs­sig­keit von Wind­kraft­an­lagen, die Bedeu­tung des Bürger­wind-Konzeptes und die Rolle der Gemeinde. Landrat Frey hat versucht, hier in verständ­li­cher Form Klar­heit zu schaffen. So wurde den Besu­chern deut­lich, dass die Gemeinde bereits 2012 die planungs­recht­li­chen Voraus­set­zungen für Wind­kraft mit dem Teil­flä­chen­nut­zungs­plan geschaffen hat. Aktuell hat die Gemeinde erreicht, dass das Inge­nieur­büro Sing sich verpflichtet hat, Wind­kraft­an­lagen durch eine in Gauting ansäs­sige „Bürger­wind Gauting GmbH“ konzi­pieren und geneh­migen zu lassen. Inter­es­sierte Bürger erhalten die Möglich­keit einer finan­zi­ellen Betei­li­gung und die Gemeinde sichert Einnahmen aus Kommu­nal­ab­gabe und Gewer­be­steuer. Im verfah­rens­recht­li­chen Sinn ist dies – soweit wir das beur­teilen können – alles penibel und korrekt abge­laufen. Aber wurden die Bürger proaktiv und verständ­lich genug infor­miert? Gerade bei einem Thema mit sehr großem öffent­li­chen Inter­esse und auch viel Emotio­na­lität in der Debatte. Viel­leicht lohnt es, wenn man im Rathaus darüber noch einmal nach­denkt.
  2. Der Abend hat gezeigt – das Inge­nieur­büro Sing ist fach­lich kompe­tent, gibt präzise Antworten und stellt sein Vorhaben über­sicht­lich dar, einschließ­lich der Erläu­te­rung, wo einzelne Punkte noch geklärt werden müssen. Sie tragen zunächst das volle unter­neh­me­ri­sche Risiko. Ob es eines Tages für inter­es­sierte Bürger wirt­schaft­lich attraktiv ist, sich zu betei­ligen, kann man heute noch nicht beur­teilen. Der Verweis auf die erfolg­rei­chen Bürger­wind-Projekte in Fuchstal und Berg sind ein starkes Argu­ment, aber entbinden natür­lich nicht, sich das Gautinger Konzept genau anzu­schauen.
  3. Die Wind­kraft­gegner argu­men­tieren im Grunde weniger mit den konkreten Gege­ben­heiten in Buchen­dorf und Gauting. Zwar versu­chen sie aus Teil­in­for­ma­tionen aus dem laufenden Verfahren Ansatz­punkte zu finden. Ob das verfängt, muss sich erst erweisen. Diese Punkte sind jeden­falls – anders als die Bürger­initia­tive meint – alles andere als eindeutig. Aber im Kern kriti­sieren sie grund­sätz­li­cher mit dem Argu­ment, dass Wind­kraft in den deut­lich wind­schwä­cheren Gebieten in Südbayern allen­falls ein „ausrei­chender“ und keine „guter“ Bestand­teil eines zukünf­tigen, auch preis­lich wett­be­werbs­fä­higen Ener­gie­mixes ist und über­haupt nur durch erheb­liche Subven­tionen möglich wird. Sie knüpfen dabei an einer verbrei­teten grund­sätz­li­chen Skepsis gegen­über der Ener­gie­po­litik in Deutsch­land an. Dabei spielt sicher auch eine Rolle, dass die  Bundes­re­gie­rung mit dem Chaos um ihr Heizungs­ge­setz gerade im Bereich der Klima­po­litik viel Vertrauen verspielt hat. Es gab noch nie eine Bundes­re­gie­rung mit der die deut­schen Bevöl­ke­rung so unzu­frieden ist wie die derzei­tige (75 %).

Unser Ziel war es, die verschie­denen Aspekte und Perspek­tiven zu diesem hoch umstrit­tenen und bei vielen Bürgern emotional sehr belas­teten Thema aufzu­zeigen. Wir hatten jedem Besu­cher Erkennt­nis­ge­winn in Aussicht gestellt. Viele Rück­mel­dungen bestä­tigen uns, dass das gelungen ist. Jetzt müssen Sie sich Ihre Meinung bilden!

Die Präsen­ta­tionen der Podi­ums­teil­nehmer doku­men­tieren wir auf Wunsch vieler Teil­nehmer:

Unser Würmtal hat für sein Lokal­fern­sehen Besu­cher und Podi­ums­gäste zu ihrem Fazit befragt. Sehen Sie hier die Stel­lung­nahmen von Bürgern, Gemein­de­räten, Landrat Frey, der Bürger­wind-Vertre­terin Kris­tina Will­komm und von Andreas Albath und Tammo Körner von Zukunft Gauting. Unser Würmtal teilt mit, dass Vertreter der Bürger­initia­tive nicht für ein State­ment zur Verfü­gung standen. www.unser-wuermtal.de/nachrichten/artikel/diskussion-um-windenergie-in-gauting.html

Starn­berger Merkur und SZ Starn­berg berichten in ihren Donnerstag-Ausgaben: www.merkur.de/lokales/starnberg/gauting-ort69895/gauting-windkraftgegner-und-befuerworter-diskutieren-93139112.html und www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/gauting-windkraft-koenigswiesen-buchendorf-waelder-bosco-lux.N9ft6T9Vyf9ueEcmL9pd4x

Sie wollen sich noch weiter infor­mieren zur Wind­kraft in Gauting?

Das „Grünzug Netz­werk Würmtal“ lädt zu einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung am 3. Juli 2024 um 19 Uhr ins Bosco ein. Dort werden u.a. Gautings Bürger­meis­terin Dr.Brigitte Kössinger und der Bürger­meister von Berg, Rupert Stei­gen­berger mit dabei sein. www.gruenzugnetzwerk.de

Die  „Bürger­ini­ta­tive Umwelt-Energie-Gauting“ hatte im April eine Veran­stal­tung am 17. Juli 2024 ange­kün­digt. Ob und mit welchem Thema die Veran­stal­tung statt­findet ist aktuell noch nicht bekannt. umwelt-energie-gauting.de/veranstaltungen/