Galileo Park oder die Hoff­nung für Gautings Finanzen

Es ist schon eine verrückte Welt – in Berlin werden Schulden gemacht, als ob es kein Morgen gibt und für baye­ri­sche Kommunen gelten strenge Regeln – Kredite gehen nur, wenn man sie auch bedienen kann. Was besser ist? Lassen wir hier mal offen.

Für Gauting heißt es jeden­falls die Gewer­be­steu­er­ein­nahmen struk­tu­rell signi­fi­kant zu verbes­sern, Versäum­nisse aus 40 Jahren aufzu­holen und zu Nach­bar­ge­meinden aufzu­schließen. Und das wird nur gelingen, wenn das Projekt eines Gewer­be­ge­bietes am Orts­rand gelingt. Das soll der Galileo Park am Flug­hafen Ober­pfaf­fen­hofen werden, mit dem Gauting NEUE Firmen und Steu­er­zahler in den Ort holen will.

Lange gab es keine Infor­ma­tionen mehr über das Projekt, das die 1. Bürger­meis­terin Dr. Brigitte Kössinger schon 2014 nach ihrer Wahl gestartet hatte. Deshalb war es wichtig, dem Gemein­derat und der Öffent­lich­keit in der letzten Gemein­de­rat­sit­zung detail­liert darzu­stellen, wo das Vorhaben steht. Die gute Nach­richt: Es geht voran, im Stillen wurde vorge­ar­beitet, aber es bleibt noch ein langer Weg zu gehen.

Wo liegt das Gebiet über­haupt?

Auf unserem Bild sieht man das Areal am Rande des Flug­ha­fens, das zur Gemeinde Gauting zählt. Hier sind bereits etliche Firmen aus flug­af­finen Bran­chen ange­sie­delt, die promi­nen­teste war Lilium (gerade in Insol­venz gegangen).Hoffentlich kommt als Nach­folger eine Firma, die bereits Geld verdient und Steuern zahlen wird!

Und im direkt anschlie­ßenden Areal (rot markiert auf dem Bild unten) soll auf einer Fläche von knapp 19 ha der Galileo Park entstehen. Diese Idee ist 2021 auf Initia­tive des damals gerade neu gewählten Land­rats Stefan Frey zustande gekommen, der mit dieser leichten Verschie­bung den Konflikt um den „Asto Ecopark“ am Unter­brunner Holz mit den Nach­bar­ge­meinden auflöste.

Luftbild Area Galileo Park

Und warum ist bis 2025 noch nicht mehr passiert?

Seit längerem läuft ein Verfahren beim Land­ratsamt zur Neuord­nung der Wasser­schutz­ge­biete im Unter­brunner Holz. Das Areal des Galileo Park wird zukünftig hier nicht mehr erfasst. Der Abschluss dieses Verfah­rens wird inner­halb der nächsten 12 Monate erwartet.

Nach Bekannt­ma­chung einer neuen Verord­nung zum Wasser­schutz­ge­biet will die Gemeinde Gauting dann das Bauleit­ver­fahren einleiten.

Warum wird das nicht parallel gemacht, um nicht Zeit zu verlieren? Die Antwort der Gemein­de­ver­wal­tung im Gemein­derat: Notwen­dige Anhö­rungen von Betei­ligten und Gutachten wären dann womög­lich wieder veraltet und müssten doppelt einge­holt werden, was das Verfahren nur noch weiter kompli­zieren wird.

Das Areal steht heute nur teil­weise im Eigentum der Gemeinde. Aber die Gemeinde hat die Zeit genutzt mit der Flug­ha­fen­be­trei­berin Bewo und etli­chen weiteren Grund­stücks­ei­gen­tü­mern grund­sätz­li­chen Konsens über die zukünf­tigen gewerb­li­chen Nutzungen zu erzielen, teil­weise laufen diese Gespräche noch.

Es wird also noch längere Zeit vergehen bis hier tatsäch­lich neue Firmen ange­sie­delt werden können. Und so lange besteht keine Hoff­nung für eine wirk­liche Verbes­se­rung der Gautinger Finanz­lage.

Gele­gent­lich werden wir gefragt, ob nicht der Hand­wer­kerhof und der bereits in der Bebau­ungs­plan­er­stel­lung befind­liche Gewer­be­park auf dem ehema­ligen Golf­platz Eberle zur Stei­ge­rung der Gewer­be­steu­er­ein­nahmen helfen wird. Dabei ist zu berück­sich­tigen, dass hier bestehende Gautinger Firmen einen neuen Standort finden, die bereits Gewer­be­steu­er­zahler in Gauting sind.

Bürger­meis­terin Dr. Brigitte Kössinger wies in der Gemein­de­rats­sit­zung aller­dings daraufhin, dass sie hier durchaus posi­tive Effekte für die Gewer­be­steu­er­ein­nahmen erwartet. Weil die Firmen an ihrem neuen Standort expan­dieren und teil­weise auch noch nicht genutzte Flächen unter­ver­mieten. Das wäre eine sehr posi­tive Entwick­lung – aber einen wirk­lich großen Sprung bei den Gewer­be­steu­er­ein­nahmen wird das nicht auslösen können.

Fazit

Der bis 2026 gewählte Gemein­derat wird es nicht mehr schaffen in Gauting die Grund­lagen für eine struk­tu­rell gesunde Haus­halts­i­tua­tion zu legen. Und wer immer Brigitte Kössinger im Amt des 1. Bürger­meis­ters nach­folgen wird (sie hat schon vor längerer Zeit ange­kün­digt nach zwei Amts­pe­ri­oden nicht erneut zu kandi­dieren) wird eine Aufgabe über­nehmen, die die wich­tigste Prio­rität der nächsten Jahre sein wird.

Oder naht Hilfe aus Berlin? Manche speku­lieren bereits darauf, dass demnächst auch ein Teil der neuen Schulden aus dem Sonder­ver­mögen als kleiner Geld­bach in Gauting ankommt? Das kann seriös niemand heute abschätzen.

Aber solange sich an den büro­kra­ti­schen Verfahren und den schier unend­li­chen Zeit­ab­läufen nichts ändert, wird auch mehr Geld nicht wirk­lich nützen. Also achten Sie auf die Berichte über die Koali­ti­ons­ver­hand­lungen zwischen CDU/CSU und SPD. Wenn hier nicht eine grund­le­gende Struk­tur­re­form für die staat­liche Orga­ni­sa­tion und eine dras­ti­sche Entbü­ro­kra­ti­sie­rung (für die Wirt­schaft, aber auch für die Kommunen!) verein­bart wird, nützt das alles nicht. Man kann nur hoffen, dass die kommu­nal­po­li­ti­schen Vertreter der Parteien in der Lage sind, sich bei ihren Chefs in Land und Bund Gehör zu verschaffen.